Projekt: Dein Liebeskummer ist politisch!

Dein Liebeskummer ist politisch! Klingt komisch? Auch wenn Politik oftmals weit weg erscheint, haben politische Entscheidungen Einfluss auf dein Leben; z.B. ob der örtliche Jugendtreff zumacht, ob du deine Freund*innen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besuchen kannst oder wer wen heiraten und lieben darf. Schnell gerät in Vergessenheit, dass Freiheiten, Möglichkeiten und Rechte, über die wir verfügen, alles andere als selbstverständlich sind. Daher ist es wichtig, sich für deren Erhalt zu engagieren.

 

Dieses Jahr finden sogar gleich zwei Wahlen statt, bei denen Bürger*innen darüber entscheiden, wie es weitergeht und zwar am 26. Mai bei den Kommunal- und am 1. September bei den Sächsischen Landtagswahlen. Dein Engagement, deine Wahlentscheidung, die deiner Eltern und Freund*innen hat Gewicht. Sie hat ganz konkrete Auswirkungen darauf, in welcher Gesellschaft wir zukünftig leben werden. Welchen Standpunkt vertrittst Du? Was ist Dir wichtig und wofür sollen sich die beauftragten Politiker*innen einsetzen - damit Du ihnen Deine Stimmen gibst?

 

In den nächsten Monaten werden wir immer wieder neue Beiträge unter dem Slogan "Dein Liebeskummer ist politisch!" auf der Homepage und Facebook posten. Die vorbereiteten Links führen euch zu Büchern, Filmtrailern, Kurzclips, Websites und vielem mehr. Aus ganz vielfältigen Blickwinkeln kannst du ergründen, wen Liebeskummer alles betreffen kann, was er für unterschiedliche Menschen bedeutet und wieso Liebeskummer uns alle was angeht oder wieso Liebeskummer politisch ist. Diskutiere mit uns, deinen Freund*innen, Eltern und Bekannten. Nutze die Links, um dir eine Meinung zu bilden und tausche dich dazu aus. #ladieseswirdzeit

  

Liebeskummer, was ist das überhaupt?

[The Queer L-Vlog] Folge 2: Liebeskummer

 

… und was ist eigentlich Liebe?

„Der Ursprung der Liebe“  von Live Strömquist

 

 

Zur Schreibweise:

Das Gender*Sternchen (Asterisk) verwenden wir, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Es nimmt Menschen aller Geschlechter in den Blick, auch diejenigen, die sich weder als männlich noch als weiblich definieren (wollen). Zugleich beinhaltet es die kategorische Unabgeschlossenheit von Geschlecht.

 

 

 

Herzlichen Dank an unsere Grafikdesignerin Lucie Pilate!

Instagram: @luehcie


Dein Liebeskummer ist politisch! 2. Teil

 

Kennst du das Gefühl, den Schmerz, die Traurigkeit und Hilflosigkeit, wenn eine Beziehung zu Ende geht oder gar nicht erst beginnt? Wenn das Herz und der Bauch sich zusammenziehen und nichts und niemand so richtig helfen kann?

 

Liebeskummer erlebt jeder Mensch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Es hängt davon ab, in welcher Stadt, in welchem Dorf du lebst, welche Regeln gelten, ob du Personen kennst, denen du dich anvertrauen kannst und ob es dir möglich ist, Unterstützung und Trost zu bekommen. Dein Liebeskummer ist vielleicht ganz anders als der deiner Freundin*, deiner Klassenkameradin*/ Kommilitonin* oder Nachbarin*. Nicht nur, weil ihr verschieden fühlt, sondern vielleicht auch weil ihr aus den unterschiedlichsten Gründen Liebeskummer habt.

 

In unserer Gesellschaft kann die Freiheit zu Lieben und damit auch das Recht auf Liebeskummer begrenzt werden durch Anforderungen, Vorurteile, Diskriminierungen, Vorschriften, Traditionen etc.. Wusstest du, dass bis 1968 (in der DDR) und bis 1994 (in der BRD) Homosexualität in Deutschland vor dem Gesetz strafbar war und erst seit 2017 gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen?

 

Der Sender Arte stellt die Frage: Was kann einen daran hindern, jemanden zu lieben? In acht kurzen Clips erzählen Verliebte aus verschiedenen Ländern ihre ganz persönliche Geschichte, aber auch die Probleme und Hürden, die sich ihrer Liebesbeziehung in den Weg stellen. Zudem findet du auf der Seite noch weitere Erfahrungsberichte und Informationen zum Thema "verbotene" Liebe: http://amours.arte.tv/de/bericht

 

Alternativ zum Beitrag aus Deutschland empfehlen wir folgende Clips:

https://www.youtube.com/watch?v=k0PiseS6cWs

https://www.youtube.com/watch?v=kJrkJH87QFY

https://www.youtube.com/watch?v=EB6XWkKh8nI

 

Hast du eigene Erfahrungen mit Liebeskummer? Ist deine Liebe schon mal an gesellschaftliche Be-Grenzungen gestoßen?

Liebeskummer ist politisch - stehen wir für ein Recht auf Liebe für alle ein! #ladiesesistzeit

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate!

Instagram: @luehcie


Dein Liebeskummer ist politisch! 3. Teil

 

Bei Liebeskummer "weinen sich alle Mädchen bei ihrer besten Freundin aus und stopfen sich mit Schokolade voll. Jungs ziehen immer um die Häuser und betrinken sich. Frauen legen sich einen neuen Haarschnitt zu oder kaufen sich Schuhe. Die Männer hüllen sich in Schweigen, weil sie ohnehin niemals über ihre Gefühle sprechen." Kennst du diese oder ähnliche Sätze auch? Wie denkst du darüber? Treffen sie auf dich zu oder reagierst du bei Liebeskummer ganz anders?

 

Unser Leben ist beeinflusst von gesellschaftlichen Vorstellungen. Dazu gehört beispielsweise auch die Einteilung von Menschen in die Kategorien "Frau" oder "Mann". Damit verbunden sind gleichzeitig bestimmte Ideen von "Weiblichkeit" und "Männlichkeit". Diese Zuschreibungen transportieren oft auch Bilder darüber, wie "richtige" Mädchen/ Frauen" bzw. "richtige Jungen/ Männer" aussehen oder wie sie sich verhalten sollen. Diese sogenannten Rollenstereotype prägen so ganz unbewusst unser Denken, Fühlen und Verhalten. Auch Liebeskummer scheint nach den allgemeinen Vorstellungen geschlechtstypisch ausgelebt zu werden, eben abhängig davon, ob eine Person als "Frau" oder als "Mann" wahrgenommen wird.

 

Aber wusstest du, dass es mehr als zwei Geschlechter, sprich "Frau" und "Mann", gibt? Seit diesem Jahr ist es in Deutschland für intergeschlechtliche Menschen möglich, statt "weiblich" oder "männlich", "divers" in ihre persönlichen Dokumente eintragen zu lassen. Intergeschlechtlich* bedeutet, dass die biologischen Geschlechtsmerkmale einer Person medizinisch nicht eindeutig als weiblich oder männlich zugeordnet werden können. Viele Menschen empfinden sich nicht immer eindeutig als "Frau" oder als "Mann". Dennoch gehen Viele davon aus, dass sie allein aufgrund des Aussehens erkennen können, wie sich andere Personen fühlen.

 

Meinst du, dass bei Liebeskummer die Einteilung in "Mann" und "Frau" von Bedeutung ist?

 

Weitere Informationen zum Thema findest du unter den nachstehenden Links:

 

Zur Schreibweise:

Das Gender-Sternchen (Asterisk) verwenden wir, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Es nimmt Menschen aller Geschlechter in den Blick, auch diejenigen, die sich weder als "männlich" noch als "weiblich" definieren (wollen). Zugleich beinhaltet es die kategorische Unabgeschlossenheit von Geschlecht. In obigem Text wollen wir die in Deutschland gesellschaftlichen Vorstellungen von Frau und Mann als einzige Geschlechter beschreiben und haben deshalb bei diesem Beitrag auf das Sternchen verzichtet.

 

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate!

Instagram: @luehcie


Dein Liebeskummer ist politisch! 4. Teil

 

Was haben die Liebespaare in den Filmen wie beispielsweise PS. Ich liebe Dich, 10 Dinge, die ich an der hasse, Titanic oder Das Schicksal ist ein mieser Verräter, gemeinsam? Genau, die Haupt-rollen werden verkörpert von einer Frau und einem Mann. Wie du vielleicht schon in unserem letzten Post gelesen hast, war dieses Beziehungsmodell in Deutschland auch lange Zeit das einzig akzeptierte. 

 

Die Idee von der großen Liebe, echter Leidenschaft und Sehnsucht ist gesellschaftlich stark verankert und geprägt von der Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gäbe, die sich immer gegenseitig ineinander verlieben. Die Erwartung, sich ausschließlich in einen Menschen des "anderen Geschlechts" zu verlieben, ist ein Aspekt von Heteronormativität. Die Akzeptanz nicht-heterosexueller Liebesweisen, beispielsweise zwischen Frauen*,  ist noch längst keine Selbstverständlichkeit und bleibt allzu oft gesellschaftlich unsichtbar. Das liegt daran, dass Menschen, die sich  außerhalb dieser Norm verlieben, mit Vorurteilen, Diskriminierungen bis hin zu Anfeindungen konfrontiert werden.

 

Denkst du, dass nur Frauen und Männer sich wirklich gegenseitig ineinander verlieben können? Kennst auch du  Situationen, in denen Menschen für ihre Liebesweise oder ihr Begehren ausgegrenzt und diskriminiert wurden? Fallen dir Möglichkeiten für den Alltag ein, um etwas für mehr Akzeptanz zu tun? 

 

Mittlerweile gibt es weltweit Menschen, die sich gegen heteronormative Vorstellungen aussprechen und sich für gesellschaftliche Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und Toleranz engagieren. In Dresden gibt es unter anderem den Gerede e.V., der sich für vielfältige Liebes- und Lebensweisen einsetzt.

 

Für weiteres Wissen zum Thema, können wir euch folgende Beiträge wärmstens ans Herz legen:

  • Im Gender Glossar findest du alle möglichen Definitionen und Erklärungen zu unterschiedlichsten Begriffen rund um das Thema Gender.
  • Im Graphik Novel Blau ist eine warme Farbe von Julie Maroh wird in wunderschönen Bildern die Geschichte von Clementine und Emma gezeichnet.
  • Den Film Rafiki von der Regisseurin* Wanuri Kahiu:-  erst vor zwei Monaten in die Kinos gekommen- erzählt  eine Geschichte von Liebe, gesellschaftlichen Hindernissen, Intoleranz und Vielfalt in Kenia. Der Film wurde dort sogar verboten, gerade weil es um die Liebe zwischen zwei sehr starken, jungen Frauen* geht.

  

Zur Schreibweise: 

Das Gender-Sternchen (Asterisk) verwenden wir, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Es nimmt Menschen aller Geschlechter in den Blick, auch diejenigen, die sich weder als männlich noch als weiblich definieren (wollen). Zugleich beinhaltet es die kategorische Unabgeschlossenheit von Geschlecht.

Im obigen Text haben wir teilweise bewusst auf das Sternchen verzichtet, um die gesellschaftliche Vorstellung von Frau und Mann als einzige Geschlechter zu beschreiben. Von einigen wird diese Einteilung mit der Vorsilbe cis bezeichnet – also: CisMänner bzw. CisFrauen. Cis zu sein, bedeutet also erst einmal nur, sich innerhalb der Zweiteilung „Mann oder Frau“ wiederzufinden. Es steht für alle Menschen, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren und dieses Geschlecht auch für sich als passend erleben. (vgl. https://missy-magazin.de/blog/2017/02/15/cis-gender/)

 

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate!

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Dein Liebeskummer ist politisch! 5. Teil

 

Hattest du schon einmal das Gefühl, deine Beziehungspartner*in versteht dich einfach nicht richtig oder schwimmt auf so einer ganz anderen Welle als du?

 

Oft liegt es vielleicht einfach nur an Missverständnissen oder anderen Vorstellungen über Beziehungs- und Lebensweisen. Ganz verschiedene Annahmen können Diskussionen und Streit auslösen. Schon innerhalb einer Familie, eines Freund*innenkreises, eines Vereins oder Jugendhauses gibt es sehr unterschiedliche Lebens- und Denkweisen. Nicht jede*r hat dieselbe Perspektive oder gar dieselben Erfahrungen. Das bewirkt, dass wir gleiche Situationen verschieden wahrnehmen. Kannst du dir vorstellen, wie es dann für Paare ist, die in völlig unterschiedlichen Teilen der Welt aufgewachsen sind bzw. bisher in familiären und gesellschaftlichen Umgebungen gelebt haben? Hast du selbst schon einmal solch eine Erfahrung gemacht?

 

Paare, die nicht aus ein und demselben Land kommen, werden oft auch als Binationale Paare bezeichnet. Ihrer Liebesbeziehung werden von außen oft Grenzen gesetzt. Beispiele dafür sind: Vorurteile, Rassismus und heteronormative Vorstellungen, aufgrund ihrer unterschiedlichen Hautfarbe und/ oder sexuellen Identität. Im vierten Teil haben wir uns ausführlich mit dem Thema Heteronormativität beschäftigt.

  • Vielleicht möchtet ihr euch das Fotoprojekt Grenzenlose Liebe von Maria NIFI Xerisoti anschauen. Sie porträtiert vielfältige Beziehungen und möchte „für mehr Offenheit und Toleranz sensibilisieren“.
  • Hier geht es zu einem kurzem Clip von Softie, darin wird thematisiert, was beim Flirten zum Beispiel schief gehen kann.
  • Der Film Deine Schönheit ist nichts wert von Hüseyin Tabak zeigt den 12-jährige Veysel, mit dem Ankommen, seiner Fluchtgeschichte und der Liebe zu seiner Klassenkameradin Ana zu kämpfen hat.

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate

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Dein Liebeskummer ist politisch! 6. Teil

 

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung bedeutet, selber wählen zu können, wie und mit wem die eigene Sexualität gelebt wird. In Deutschland ist dieses Recht indirekt im Grundgesetz verankert, es wird aus Art.1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar.“) und Art.2 („Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, …“) abgeleitet.

 

Sexualität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sexualität und Partnerschaft sind Teil der individuellen Persönlichkeitsentwicklung. Das Recht auf Sexualität beinhaltet Facetten wie Intimsphäre, sexuelle Identität, freie Partner*innenwahl, Erotik, Sexualaufklärung bis hin zum Kinderwunsch.

 

Menschen mit Be_Hinderung leben in einer Welt, die von nichtbehinderten Menschen gestaltet ist. Darum existieren viele Barrieren, die den Zugang zu Freizeiteinrichtungen, (eigenem) Wohnraum, Bildungs- und Arbeitsmarkt und auch die Partner*innensuche erschweren. Beziehungen zu initiieren, die Intimität, Nähe und Sexualität einschließen, ist für Menschen mit Be-Hinderung oft schwierig. Gründe dafür sind z. B. begrenzte Möglichkeiten, Kontakte aufzunehmen, gesellschaftliche Vorurteile, medial geprägte Schönheitsideale oder fehlende Orte für selbstbestimmte Intimität.

 

Erhöht wird diese Barriere, wenn weitere Merkmale hinzukommen z.B. Geschlecht, sexuelle Orientierung, soziale/ nationale Herkunft oder Alter. Wenn eine Person bspw. eine Frau*, eine Be_Hinderung hat, gehört sie bereits zu zwei gesellschaftlich benachteiligten Gruppen. Die Wahrscheinlichkeit, diskriminiert zu werden, steigt.

 

Trotz der rechtlichen Verankerung wird Menschen mit Be_Hinderung das Recht auf Sexualität oft abgesprochen. Ihre Bedürfnisse nach Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Leidenschaft und Intimität werden häufig ignoriert oder nicht ernst genommen. So bleibt auch das Erleben von Liebeskummer meist ein Tabuthema. Viele Menschen mit Be_Hinderung müssen um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen, obwohl jede*r ein Recht auf Liebe- und eben auch Liebeskummer hat.

 

 

Vielleicht hast du Lust, dich näher mit diesem Thema zu beschäftigen? Wir haben wieder ein paar Anregungen zusammengestellt:

 

  • Der Film „Gabrielle – (K)eine ganze normale Liebe“, zeigt die Liebe von Gabrielle, einer jungen Frau mit geistiger Be_Hinderung und die Schwierigkeiten ihres Umfeldes, ihre Sexualität zu akzeptieren.
  • "Der Fall Mary Lou" von Stefan Casta ist eine Erzählung übers Erwachsenwerden, Freundschaft und Be_Hinderung.
  • In dem Kinderbuch "Irgendwie Anders" von Kathryn Cave (Autorin*) und Chris Riddell (Illustrator*) wird vom Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Thema Ausgrenzung erzählt.

   

Zur Schreibweise:

Be_Hinderung : 

Wir verwenden die Schreibweise Menschen mit Be_Hinderung, um sichtbar zu machen, dass Menschen von der Gesellschaft ausgegrenzt und behindert werden. Behindert ist man nicht – behindert wird man durch Strukturen, Räume, Vorurteile oder andere gesellschaftliche Bedingungen. Problematisch ist der Umgang mit Be_Hinderungen, nicht die Be_Hinderung an sich. Menschen haben vielfältige Eigenschaften, eine davon kann eine Be_Hinderung sein. Sie definiert eine Person nicht in ihrer Gänze.

 

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate

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Dein Liebeskummer  ist politisch! 7. Teil

 

Verliebt zu sein, ist ein wunderbares Gefühl, dass uns vollständig in Besitz nimmt. Es gibt nur noch Luft, Liebe, Sonnenschein, rosarote Brille, Schmetterlinge im Bauch. Was braucht es da mehr?

 

Nach dem Ausklingen der ersten Verliebtheit hält der Alltag Einzug mit seinen Herausforderungen, anderen Menschen, Aufgaben und Interessen. Für die meisten Beziehungen ist dies die erste Bewährungsprobe. Es braucht Aushandlung, Kommunikation, Offenheit und ein gegenseitiges Verständnis dafür, man selbst sein und bleiben zu dürfen.

 

Nicht in allen Beziehungen gelingt diese Entwicklung. Bei manchen trennen sich an dieser Stelle die Wege. Wann würdest Du eine Beziehung beenden?

 

Vielleicht erlebst du deinen Schwarm plötzlich besitzergreifend, eifersüchtig oder sogar aggressiv? Meist wirken diese Verhaltensweisen unangenehm, beängstigend oder verstörend. Vertrau deinem Bauchgefühl - Gewalt in einer Beziehung ist nie okay! Wenn aus Geborgenheit, Respekt, Leidenschaft, Verständnis und Unterstützung plötzlich Angst, Bedrohung, Kontrolle und Grenzverletzungen werden, dann ist das der Moment, diese Beziehung definitiv zu beenden.

 

Aber nicht allen Menschen gelingt das. Dafür kann es ganz unterschiedliche Gründe geben, zum Beispiel: Scham, wenig Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Angst davor alleine zu sein, Abhängigkeit, Moralvorstellungen oder der Glaube, dass das zu einer Beziehung dazu gehört. Manchmal entwickelt sich eine Beziehung in eine Richtung und in einer Geschwindigkeit, dass es aus diesem Kreislauf keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

  

Wenn es in einer Paarbeziehung zu Grenzverletzungen und / oder Gewalt kommt, nennt man das Beziehungsgewalt. Diese kann unter Erwachsenen, aber auch unter Jugendlichen stattfinden. Gewalt in Paarbeziehungen zwischen Jugendlichen wird in der Fachsprache auch oft als Peergewalt bezeichnet.

 

Die Formen von Gewalt in Beziehungen können ganz unterschiedlich sein:

  • Physische Gewalt: z. B. Ohrfeigen, Tritte, Stöße, Festhalten
  • Psychische Gewalt: z. B. Drohungen, Erpressung, Beleidigungen, Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit
  • Sexualisierte Gewalt: z. B. Nötigung, Vergewaltigung oder Zwangsprostitution
  • Soziale Gewalt: z. B. Isolation, Kontrolle, Kontaktverbote, Einsperren
  • Finanzielle Gewalt: Arbeitsverbote oder Arbeitszwang, Kontrolle der Finanzen, also: das Erzeugen von finanzieller Abhängigkeit

Gewalt kann überall stattfinden. Besonders bedrohlich ist Gewalt dann, wenn sie dort stattfindet, wo eigentlich ein Ort des Schutzes, der Sicherheit und Geborgenheit sein sollte: Zuhause.

 

Für die Betroffenen hat das besondere Konsequenzen, weil sie keinen Rückzugs- beziehungsweise Schutzraum mehr haben. Sie verlieren ihr Sicherheitsgefühl und erleben sich dem* der Täter*in schutzlos ausgeliefert - ohne das es die Umwelt mitbekommt beziehungsweise nicht mitbekommen darf.

 

Wenn du dich in Not befindest, Angst hast, bedroht wirst, Gewalt erlebst, dann such dir Unterstützung. Dass kann durch ein*e Freund*in oder andere vertraute Person sein. Es gibt auch eine Menge Beratungsstellen, die dir in dieser schwierigen Situation helfen können: HIER

 

Für weiteres Wissen zum Thema können wir euch folgende Beiträge empfehlen:

 

 

Grafikdesignerin Lucie Pilate

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Dein Liebeskummer  ist politisch! 8. Teil

 

Die Qual der Wahl: Ist er*sie, wirklich der*die Beste, Schönste, Klügste? Oder könnte ich nicht noch jemanden finden, der*die besser küsst, toller tanzt oder besser aussieht? Der*die einfach besser zu mir passt? Du lebst nur einmal! Darum nutze unbedingt alle Chancen, die sich dir bieten! Bleib’ niemals stehen, du könntest etwas verpassen! Deine Beziehung muss sich lohnen! Liebe ist alles oder eben nichts!

Kennst du solche Gedanken/ Einstellungen? Vielleicht kennst du diesen ständigen Zwiespalt von dir selbst oder auch aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis? Einerseits wünschst du dir Zusammenhalt, Verbundenheit, Unterstützung und Zweisamkeit, möchtest Einsamkeit und Unsicherheit überwinden. Andererseits möchtest du das tun, worauf du gerade Lust hat, willst alles gleichzeitig haben und deine Freiheit in vollen Zügen genießen...

 

Im Internet gibt es eine riesige Auswahl möglicher Beziehungspartner*innen. Mit verschiedenen Filtern z.B. Aussehen, Bildungsabschluss, Interessen und Charaktereigenschaften werden dir geeignete Traummänner* oder Traumfrauen* vorgeschlagen, die angeblich perfekt zu dir passen. Auch die eigene Person wird nach diesen Filtern betrachtet und anderen Menschen vorgeschlagen. Dabei ist das Aussehen ganz entscheidend. Die Werbebranche reagiert darauf und zeigt uns, welcher Lippenstift, welches Handy, Hobby oder sogar Getränk attraktiver macht. Davon profitierst natürlich nicht nur Du - auch die Kosmetikindustrie, die Modebranche, Fitnessstudios und Lifestyle- Ratgeber verdienen damit richtig viel Geld. In Musikvideos, Filmen und der Werbung wird uns gezeigt, wie die Liebe, Lust und Leidenschaft zu sein haben und welche Produkte oder Accessoires dafür notwendig sind. Blumen, Schmuck, Kuschelherzen und vieles mehr gelten als Beweis/ Ausdruck wahrer Liebe. Shoppen wird damit zum wesentlichen Bestandteil deines (Liebes)lebens. Daran kannst du erkennen, dass sich mit Liebe und unserer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Partnerschaft richtig viel Geld verdienen lässt.
Was ist dir Liebe wert? Was bedeutet Liebe für dich und was gehört für dich dazu?

 

Für weiteres Wissen zum Thema, können wir euch folgende Beiträge wärmstens ans Herz legen:

  • Die Macherinnen* des Blogs Mädchen*mannschaft stellen sich die Frage, ob die Liebe einen Feiertag braucht oder ob sie vielmehr an jedem Tag gefeiert werden sollte.
  • Die Doku-Reihe GEFÜHLSWELTEN setzt sich in Folge 9 mit dem Thema Liebe in Zeiten des Kapitalismus auseinander.
  • Unter diesem Link findest du eine schöne Illustration der Künstlerin Agathe Sorlet.

Grafikdesignerin Lucie Pilate!
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Dein Liebeskummer ist politisch! 9. Teil

 

 Liebe kennt keine Altersgrenze! Klingt romantisch, aber wie sieht es in der Realität aus? Denkst du, man ist irgendwann zu alt für Liebe(skummer)?

 

Vielleicht stellst du fest, dass Liebeskummer von älteren und alten Menschen öffentlich kein Thema ist. Wie wäre es für dich, wenn deine Oma oder Opa beim nächsten Familienausflug von ihrem*seinem Liebeskummer berichtet? In der Öffentlichkeit wird über Liebe(skummer) im Alter wenig gesprochen, weil Gefühle wie Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht eher Menschen zugestanden werden, die jung sind. Dadurch fehlt gerade älteren Menschen die Möglichkeit, über Liebe, Kummer und Verlust zu sprechen, häufig aus Angst davor, belächelt zu werden.

 

Dabei kann gerade bei älteren Menschen der Verlust eines Liebespartners oder das Ende einer langjährigen Liebesbeziehung die Betroffenen völlig aus der Bahn werfen und sogar traumatische Krisen auslösen.

 

Das liegt unter anderem daran, dass zwei Lebenswege lang und eng miteinander verbunden waren - über gemeinsame Ziele, Träume, Erfahrungen, Kinder und so weiter. All das bricht zusammen. Natürlich wird mit steigendem Alter auch häufig die Befürchtung größer, sich womöglich nie wieder zu verlieben und allein zu bleiben.

 

Das Bedürfnis nach tiefgehenden Beziehungen, Gesprächen, körperlichen Berührungen, Nähe und Sicherheit bleibt ein Leben lang bestehen. Gleichzeitig fühlen sich in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen einsam. Sie leiden unter dem Mangel an Zugehörigkeit, Verbundenheit, sozialem Miteinander und an der Möglichkeit, sich zu zeigen - mit all ihren Stärken, Schwächen und Bedürfnissen. Wenn Menschen sich einsam fühlen, steigt gleichzeitig das Risiko, zu erkranken. Denn niemand achtet darauf, dass man täglich gesund kocht, sich genug an der frischen Luft bewegt, weniger raucht, Alkohol trinkt oder regelmäßig zum Arzt geht. Umso wichtiger sind Räume, Plätze und Möglichkeiten, wo Menschen - egal ob jung oder alt - miteinander in Kontakt kommen und gemeinsam etwas für sich und andere tun.

 

Passend zum Thema empfehlen wir dir folgende Quellen:

  • In ihrem Buch "Die Klatschmohnfrau" erzählt Noelle Chatelet von einer Liebe, die in unserer Zeit immer noch ein Tabu ist: Eine Leidenschaft, die die Herzen und auch die Körper verjüngt. Doch eigentlich wird erwartet, dass wir uns im Alter still zurückziehen, statt noch einmal aufzublühen ...
  • Der Pixar-Trickfilm "Oben" erzählt die Geschichte von Carl und Ellie. Sie heiraten, bauen sich ein gemeinsames Leben auf und erleben diverse Abenteuer und Schicksalsschläge.
  • Das Buch "Unsere Seelen bei Nacht" handelt von der Liebesgeschichte zwischen Addie und Louis. Beide sind schon älter, verwitwet und nähern sich einander an. Doch das bleibt in der Kleinstadt, in der sie leben, nicht unentdeckt.
  • Die Serie "Frankie und Grace" ist eine Comedy, in der es um die Liebe, Freundschaft und das Älter-werden geht. Die Serie hat 7. Staffeln. Den Trailer zur ersten Staffel kannst du dir hier anschauen.

 

 

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Dein Liebeskummer ist politisch! 10. Teil

 

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“ Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid.

 

Kannst du dich an das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen erinnern? Und auch wenn nicht, fällt dir vielleicht bei diesem kurzen Wortwechsel zwischen der Königin und ihrem magischen Spiegel etwas auf? Der schönen Königin ist es wichtig, die Allerschönste zu sein. Keine* andere soll schöner sein als sie. Sobald ihr magischer Zauberspiegel Schneewittchen als attraktiver bewertet, wird sie neidisch und empfindet sich selbst als weniger schön.

Wie oft vergleichen wir uns mit anderen Menschen: Hat die andere Person schönere Haare, eine bessere Figur oder den schöneren Style? Kennst du ähnliche Gedanken von dir selbst?

 

Täglich sehen und hören wir auf Werbeplakaten, im Fernsehen oder im Radio, wie die perfekten Körper aussehen sollten: ob dünn, sportlich, kleine Stupsnasen, schlanke und lange Beine, Sixpacks oder muskulöse Schultern angesagt sind. Fernsehshows wie Germany‘s next Top Model vermitteln uns, dass nur wer den gesellschaftlichen Vorstellungen entspricht, auch erfolgreich sein und vor allem wertgeschätzt werden kann. Wer schön sein will, muss leiden - ein Spruch, der in dieser Show als Realität dargestellt wird. Doch nicht nur auf dem Laufsteg ist Schönheit ein entscheidendes Kriterium. Wusstest du zum Beispiel, dass Menschen, die von einer Gesellschaft als schön wahrgenommen werden, oftmals von positiven Vorurteilen profitieren? Sie werden im ersten Moment für sozial kompetenter, erfolgreicher, intelligenter, sympathischer, selbstsicherer, kreativer, geselliger, fleißiger, zufriedener und leidenschaftlicher gehalten. Niedliche Säuglinge bekommen mehr Aufmerksamkeit, hübsche Kinder in der Schule bessere Noten. Attraktive Erwachsene können vor Gericht mit milderen Strafen rechnen, treffen in Notlagen auf mehr Hilfsbereitschaft und erhalten an die zehn Prozent höhere Gehälter. Auch ein Zusammenhang zwischen physischer Attraktivität und Wahlerfolg von Politiker*innen wird mittlerweile erforscht.

 

Nahezu stündlich werden uns geltende Schönheitsideale vor die Nase gesetzt . Daran ist die Erwartung geknüpft, dass wir unseren Körper den Schönheitsidealen entsprechend in Form bringen und gestalten, um erfolgreich im Leben zu sein. Aber ist das denn so einfach? Und was ist überhaupt Schönheit? Und wer bestimmt über Schönheit? Das bekannte Schönheitsideal von Frauen* ist in unserer Welt medial geprägt. Die Sichtbarkeit von Frauen*, die diese Standards nicht erfüllen, ist in den Medien wenig präsent. Aber wieso eigentlich? Wieso muss ein bestimmtes Schöhnheitsideal existieren, dass alle Menschen - und hier vor allem Mädchen* und Frauen* - erfüllen sollten? Wie beeinflusst es mich und mein Wohlbefinden?

 

Passend zum Thema empfehlen wir dir folgende Quellen:

  • Der Videoclip "Hauptsache Sexy" von der Seite Softie zeigt auf lustige Art und Weise, wie die Tipps und Tricks von Mädchenzeitschriften zum Flirten in der Realität aussehen würden.
  • Die Dokumentation "Embrace – du bist schön" von Taryn Brumfitt betrachtet das weibliche Schönheitsideal in der westlichen Welt. Sie erzählt die Geschichte von Taryn Brumfitt, ihre Auseinandersetzung mit ihrer Figur und der Unzufriedenheit, unter der sie litt. Es wird die Wahrnehmung von Frauenkörpern kritisiert und es werden die Gründe dafür gesucht, dass sehr viele Frauen* nicht mit ihrem Körper zufrieden sind. Den Trailer kannst du unter folgendem Link anschauen.
  • Die Sängerin* FaulenzA rappt in ihrem* Lied "Schönheitsideale" über zu enge Schönheitsideale, die Diskriminierung von Trans*Frauen und die Akzeptanz des eigenen Körpers.

 

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